Mit der „Bimmelbahn“ zur Vogelbeobachtung

23. Oktober 2015
Watt’n Expresses von Ralf Sinning

Mehrfach wurde die Fahrt unterbrochen, so dass die Fahrgäste aussteigen und durch Spektive die rastenden Vögel beobachten konnten.

Die 40 Sitzplätze in den beiden „Waggons“ des „Watt’n Expresses“, der nach ihrem Nummernschildkennzeichen auch liebevoll „Frieda“ genannten „Bimmelbahn“ des Gewerbevereins Horumersiel-Schillig, waren am Dienstagnachmittag (12.10.) völlig ausgebucht für eine Sonderfahrt im Rahmen der 7. Zugvogeltage im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer.  Die Vogelbeobachtung an der wangerländischen Küste stand im Mittelpunkt der Fahrt, die  vom Nationalpark-Haus Wangerland, der Wissenschaftlichen Arbeitsgemeinschaft für Natur- und Umweltschutz (WAU) und dem Gewerbeverein  gemeinsam angeboten worden war.

Die Route führte vom „Ausgangsbahnhof“ in Horumersiel zunächst parallel zum Speicherpolder Horumersiel in Richtung Crildumersiel. Hier wurde gewendet und über den neuen Außendeichsweg direkt am Wasser entlang zum Hafen Horumersiel gefahren. Über das Bordmikrofon gab Werner Menke von der WAU Erläuterungen zu den auftretenden Vögeln und zu weiteren Besonderheiten der Küste wie Lahnungsbau und Salzwiesenentwicklung.

An wichtigen Punkten wurden Stopps eingelegt und die Teilnehmer stiegen aus, um durch die von WAU-Mitglied Hans Uhlmann und seinen Helfern, den jetzigen und früheren FÖJlern beim Nationalpark-Haus, bereitgestellten Spektive typische Küstenvögel In den Lahnungsfeldern vor dem Deich näher in Augenschein zu nehmen, so  Brandgans, Austernfischer, Säbelschnäbler und Brachvogel.

Auf den Lahnungen selbst ruhten sich Kormorane und verschiedene Möwenarten aus, von denen die Mantelmöwe aufgrund ihrer Größe und schwarzen Flügeldecken besonders auffiel. Wie Werner Menke ausführte, hat das Brutareal dieser nordischen  Großmöwe bei uns seine Südgrenze, auf Mellum brüten gelegentlich einzelne Paare. Im Winter aber ziehen weitere Mantelmöwen aus dem Norden zu uns, dann ist die Art hier regelmäßig zu sehen.

Ein reiner Wintergast ist der Steinwälzer, der seinen Namen daher hat, dass er oft mit seinem kurzen Schnabel kleine Muschelschalen oder Steinchen beiseite wirft, um an darunter sitzende Würmer oder Krebstiere zu gelangen. Da der Steinwälzer nur eine geringe Fluchtdistanz hat, kann man sein munteres Treiben vielfach aus großer Nähe beobachten, so z. B. am Hafen Horumersiel, wo die Gruppe zudem größere Trupps von  Rotschenkeln sehen konnte.

Im Hafen von Horumersiel machte der “Frieda“ Halt. Hier konnten Rotschenkel und Steinschmätzer beobachtet werden.

Weiter führte die Fahrt am Campingplatz Schillig entlang. Auf dem Wasser saßen Pfeifenten und Ringelgänse, beides Arten, die bei uns regelmäßige Wintergäste sind. Unter Vogelfreunden ist die Ecke vor Schillig bekannt wegen der guten Möglichkeit, die aus dem fernen Ostsibirien zu uns reisende Ringelgans, unsere kleinste Gänseart, zu beobachten. Wenn der Zeltplatz geräumt ist, fallen hier oft große Scharen der „Rottgans“ (so nennen die Niederländer die Art wegen ihres Rufes) ein, um zu weiden.

Ein letzter Halt wurde an der Lagune (außendeichs vor DRK-Heim und Jugendherberge) gemacht. Hier stocherten einige Bekassinen mit ihrem langen Schnabel in dem schlammigen Grund nach Nahrung. Früher hat die „Himmelsziege“, wie die Bekassine wegen ihrer meckernden Geräusche beim Balzflug auch genannt, auch in Friesland gebrütet. Inzwischen ist sie hier als Brutvogel kaum noch vertreten, kommt aber auf dem Zug noch regelmäßig an sumpfigen Stellen vor.

Und selbst auf dem Rückweg Richtung Horumersiel gelang noch eine bemerkenswerte Beobachtung vom langsam dahinzuckelnden  „Watt’n Express“ aus: Ein Merlin jagte niedrig über die Felder und versuchte, kleinere Vögel zu erbeuten. Diese nordische Falkenart ist etwas kleiner als der bei uns häufige Turmfalke und im Gegensatz zu diesem ein schnittiger Jäger, der seine Beute im Flug schlägt.

Nach gut zweieinhalb Stunden Fahrt lief die „Bahn“ wieder in Horumersiel ein. Viele der Fahrgäste äußerten sich ganz begeistert von dem Erlebten. Die Fahrt bei Hochwasser entlang der Wasserlinie, die Vielzahl der bemerkenswerten Vogelarten, die gute Stimmung während der Exkursion ließen einen Teilnehmer das Resümee ziehen: „Das muss unbedingt wiederholt werden“.

Und das sei hier versprochen, spätestens für die nächsten Zugvogeltage im Oktober 2016!

(alle Fotos: Ralf Sinning)