Tagesberichte

Aviathlon 2025 - Finale und Sieger

Tag 8 – Samstag, 18.10.2025

Das Wetter meinte es am Finaltag des Aviathlon 2025 doch noch einmal gut mit uns und bescherte den Aviathleten einen wunderbaren Herbsttag mit viel Sonne und noch mehr Zugvögeln in allen Teilen unseres Wattenmeeres. Es rappelte dann noch einmal in der Bude und der Vogelzug nahm endlich wieder Fahrt auf: starker Gänsezug, endlich segelten Greifvögel in der Thermik über Küste und Inseln und in den Orten stapelten sich die Meisen, Finken, Drosseln und immer noch Massen an Wintergoldhähnchen. Besonders freuen konnten sich einige Inseln über die Beobachtung von Tannenmeisen. In Waldstücken am Festland total normal, sind sie in unseren Breiten doch ausgeprägte Standvögel, die rund ums Jahr im Brutgebiet bleiben. Auf den Inseln ist das aber ganz anders, denn hier sind sie gar keine Brutvögel. Pünktlich zum Aviathlon-Finale haben sie dann aber die Tannenmeisen aus dem hohen Norden noch auf den Weg gemacht, um die ein oder andere Inselliste auf den letzten Drücker noch zu bereichern.

Alle Regionen und Inseln haben im Endspurt ihre Artenlisten noch ein letztes Mal um viele Arten verlängert. Und für die Gesamtartenliste ist auch noch der Spornpieper per Aufnahme seines Zugrufes mittels automatischer Audioerfassung dazugekommen. Damit schließen wir den Aviathlon 2025 mit insgesamt 222 beobachteten Vogelarten ab. Das ist ein super Ergebnis und zeigt erneut, wie viele verschiedene Vogelarten um diese Jahreszeit die Wattenmeerregion bevölkern. Damit ist zwar nicht der Rekord von 223 Arten beim Aviathlon 2022 eingestellt, aber so ein Ergebnis zu erzielen unter den schwierigen Witterungsbedingungen! In diesem Jahr haben auch 3 ganz neue Vogelarten ihren Weg in den Aviathlon gefunden: Kuhreiher, Polarmöwe und Buschspötter waren dieses Jahr zum ersten Mal dabei und reihen sich ein in unsere Aviathlon-„Ewigenliste“, die damit 290 Vogelarten umfasst, die bisher im Rahmen der Zugvogeltage im und am Wattenmeer beobachtet wurden. Das ist schon allererste Sahne. Es zeigt sich erneut, im Wattenmeer ist mit allen/m zu rechnen. Vogelzug ist mal mehr und mal weniger, aber immer und überall.

Und welche Region, welche Insel konnte den Aviathlon 2025 für sich entscheiden? Am Festland zeichnete es sich schon ab: Cuxhaven lässt die Konkurrenz erneut stehen und verteidigt den Titel zum 4. Mal infolge. In diesem Jahr stehen 146 Vogelarten auf eurer Liste. Auf den Inseln sahen wir eine Demonstration fachlicher Vogelbeobachtungs-Expertise auf aller höchstem Niveau. Im Endspurt hatte Norderney aber die meisten Reserven und den längeren Atem und gewinnt eindrücklich mit 171 Arten. Rekord in der Inselwertung! Damit verteidigt auch Norderney den Titel aus dem Vorjahr. Herzlichen Glückwunsch an alle Aviathleten für diese jeweils beeindruckenden Beobachtungsleistungen!

Norderney und Cuxhaven sind aber nur die Spitze des Eisbergs, weil am Ende halt nur 2 gewinnen können. Alle anderen Inseln und Regionen haben sich genauso ins Zeug gelegt und gekämpft und von morgens bis abends die Wattkanten, Salzwiesen, Dünen, Ortschaften, Pütten, Gebüsche, Wälder abgesucht. Das alles kann nur zustande kommen, weil ihr mit unermüdlichem Beobachtungseinsatz draußen ward, mit großer Motivation, einer breit aufgestellten, weitreichenden Artenkenntnis, auch unter Einsatz digitaler Technik (technische Innovationen in der Vogelbeobachtung machen auch vor dem Aviathlon nicht Halt und bringen echten Mehrwert) im freundschaftlich-fachlichen Austausch schwierige oder unsichere Beobachtungen bzw. Bestimmungen diskutiert und am Ende auch mit ein bisschen Glück, die ganze Bandbreite der bunten Vogelartenvielfalt im herbstlichen Wattenmeer für alle sichtbar macht. Und natürlich mit ganz viel Spaß. Das verdient allen Respekt und großen Dank!

Wattenmeer-Birdwatching at it’s best: vogelartenreich, kenntnisreich, erlebnisreich, freundschaftlich, fair, mit großen Spaß und natürlich mit einer Prise Kampfgeist. Das war der Aviathlon 2025 –ein Fest der Vogelartenvielfalt im UNESCO Weltnaturerbe und Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer sowie entlang der gesamten Wattenmeerküste am Festland. Nächstes Jahr, immer am Weltzugvogeltag am zweiten Samstag im Oktober starten die nächsten, dann bereits 18. Zugvogeltage im UNESCO Weltnaturerbe und Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer. Immer zum Weltzugvogeltag am zweiten Samstag im Oktober, nächstes Jahr dann am 10.10.2026 heißt es wieder: Alle raus zum Wattenmeer, ran an Ferngläser und Spektive, fertig, los – Aviathlon 2026! Bis dahin!

Tag 7 – Freitag, 17.10.2025

Vorletzte Etappe des Aviathlon 2025, Einbiegen auf die Zielgerade! Das Ziel rückt in greifbare Nähe und auch heute wurde wieder hoch motiviert in allen Regionen und auf den Inseln für jede neue Art alles gegeben. Auf den Inseln scheint die Luft allerdings etwas raus zu sein. Da sind nur noch wenige neue Arten dazugekommen. Allenfalls das Seawatching lohnte noch, zumindest heute für Norderney. Hier war noch was los auf dem Meer. 3 Inseln weiter nach Osten, auf Spiekeroog war dagegen quasi tote Hose, nur vereinzelt zogen noch Ringelgänse, Möwen und Enten vorbei. Es ist aber auch schwer, nach einer Woche Nordwestwind auf den Inseln noch neue Arten zu holen. Dazu bräuchte es wohl am besten eine Windrichtungsänderung. Obwohl sich der Vogelzug weiterhin von seiner ruhigen Seite zeigte, war die heutige vorletzte Aviathlon-Etappe am Festland ganz und gar nicht erfolglos. In Sichtkontakt zur Zielgeraden hieß es wohl zum einen „Lücken füllen“, zum anderen aber auch Hoffen auf eine coole Zufallsbeobachtung. Wie zum Beispiel die beiden Rothalsgänse in Cuxhaven oder der Weißstorch in Dangast oder der Schwarzmilan an der Unterelbe. Das sind zudem unsere 3 neuen Arten für die Gesamtartenliste, die heute auf 219 Arten insgesamt anwächst. Klappt es morgen noch, den Rekord von bisher 223 Arten beim Aviathlon 2022 zu knacken?

Am Festland haben einige Regionen heute noch einmal richtig zugelegt. Allen voran das Wangerland, Dangast und Fedderwardersiel. Auch immer noch richtig gut dabei: das ‚kleine‘ Wilhelmshaven. Die schieben sich heute sogar vorbei an der Wurster Küste und belegen Platz 2 mit großartigen 127 Arten. Aber Cuxhaven wird mal wieder nicht mehr einzuholen sein. Mit 144 Arten liegen sie derart weit vorne, dass der Titelgewinn auch in diesem Jahr sicher ist, zum vierten Mal infolge! Das Vogelarten-Battle zwischen Norderney und Wangerooge entscheidet Norderney heute erneut für sich. Es sind die verflixten vier Arten, die die beiden Inseln voneinander trennen, heute zugunsten von Norderney. Damit ist Norderney eindeutig auf Kurs Richtung Titelverteidigung! Gönnt sich Wangerooge eine kurze Atempause, um morgen mit einem letzten großen Sprint aufzutrumpfen und die Ziellinie als Erste zu überqueren? Eine Wahnsinnsleistung von euch da draußen. Großartig, dass am vorletzten Aviathlontag die Motivation immer noch so groß ist, die Artenlisten zu verlängern und eure Region oder Insel weiter nach vorne zu bringen.

Was ist morgen noch mit direkter Vogelbeobachtung möglich? Aber die Frage ist auch: Was ist an neuen Arten noch möglich über die NocMig (Nocturnal Migration) Dauererfassung? Auf einigen Inseln und an einigen Stellen am Festland kommt diese Methode, auch unabhängig vom Aviathlon, zum Einsatz, um per automatischer Audioaufnahme die Zugrufe nachts ziehender Vögel aufzunehmen und damit die Intensität und das Artenspektrum des nächtlichen Vogelzugs zu erfassen und zu analysieren. Für den Aviathlon eröffnet sich damit die Möglichkeit, das tagziehende Artenspektrum um die ein oder andere Zugvogelart ‚aus der Nacht‘ zu erweitern. Die Bestimmung der Arten erfolgt über die Sonagramme ihrer artspezifischen Zugrufe. Es sind bereits ein paar Arten auf der Gesamtliste, die nur über diese Erfassungsmethode während dieser Zugvogeltage nachgewiesen wurden, u.a. Waldpieper und Zwergschwan. Wir sind gespannt, ob sich da morgen noch die ein oder andere neue Art ergibt.

Die Datenmengen, die täglich über Ornitho für den Aviathlon gemeldet werden, sind beachtlich. Darüber freuen wir uns natürlich sehr, dass der Aviathlon von so vielen VogelbeobachterInnen bereichert und getragen wird. Gleichzeitig ist es geradezu eine Herkules-Aufgabe für die Ornitho-Regionalkoordinatoren die Masse an eingehenden Beobachtungen zu sichten, einzuschätzen, auf ihre Plausibilität hin zu überprüfen und im Zweifel die Beobachter um eine Rückmeldung zu ihrer Beobachtung zu bitten. Die Überprüfung von gemeldeten Beobachtungen, insbesondere von insgesamt seltenen Arten oder von Arten, die um diese Jahreszeit bei uns im Wattenmeer selten sind, heißt während des Aviathlon quasi „validieren im Akkord“. So muss dann zum Beispiel die Meldung einer Beobachtung auch mal zurückgenommen oder geändert werden, weil die vermeintliche Uferschnepfe (die meisten sind um diese Zeit längst in Spanien) sich dann doch als Pfuhlschnepfe entpuppte. Das ist zwar tägliches Ornitho-Geschäft, aber während des Aviathlon eine Herausforderung. Unter anderem deswegen ist aktuell noch etwas „Dynamik“ sowohl bei der Artenzahl der Gesamtartenliste, als auch auf den Insel- und Festlandsartenlisten.

Die Wettervorhersage verspricht für morgen zwar durchaus kühle Temperaturen, aber mit viel Sonne. Endlich verabschiedet sich der Regen und der doofe Nordwest und soll über Ost auf Südost drehen. Könnte das günstig für morgen sein? Für das Draußen-Wohlfühlgefühl allemal. Hoffentlich auch für eure Artenlisten. Vielleicht treibt es ja doch noch mal einen Rotmilan an die Küste oder einen frühen Zwergsäger, Seidenschwanz, …? Ihr wisst ja, im Wattenmeer muss man immer mit allem rechnen.

Ihr unermüdlichen AviathletInnen, VogelbeobachterInnen und FreundInnen des Wattenmeeres –morgen heißt es nochmal alles geben für die Zugvögel: Endspurt beim Aviathlon 2025! Die interaktive Ergebnisgrafik und auch die Artenlisten auf der Zugvogeltage-Homepage sind a morgen nicht mehr zu sehen. Es soll ja spannend bleiben. Alle bis Samstag, 23:59 Uhr bei Ornitho gemeldeten Beobachtungen gehen in die Wertung für die Regionen und Inseln mit ein. Am Sonntagmittag auf dem Zugvogelfest im Haus des Gastes in Horumersiel heißt es dann wieder: „And the winner is…!“ Im Rahmen der Siegerehrung möchten wir unsere 8 Tage Aviathlon im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer gemeinsam Revue passieren lassen, natürlich die beiden Sieger (Insel und Festland) bekannt geben und die vom Zugvogeltagekünstler Reno Lottmann gestalteten Siegerurkunden überreichen. Wir hoffen, ihr seid dabei! Morgen nochmal alles geben! Viel Glück, vor allem ganz viel Spaß und viele tolle Beobachtungen! Bis Sonntag!

 

 

Tag 6 – Donnerstag, 16.10.2025

Vogelzug nonstop an allen Ecken und Enden des Wattenmeeres. Aber es ist anders, als zum Beispiel vor 2 Jahren, als zum Start des Aviathlon ein kräftiger Nordweststurm über die Küste fegte und Massen an Seevögeln vor die Küste trieb, danach sich das Wetter kurz beruhigte und bei goldener Herbstromantik Tausende von Gänsen entlang der Küste zogen und die Gebüsche übervoll waren mit rastenden Kleinvögeln, bevor dann der Wind im Dauerregen auf Ost drehte. Dieses Mal ist es mit dem Zuggeschehen nicht so massiv, nicht so sichtbar, nicht so spektakulär. Doch nur, weil wir in den letzten Tagen keine Wetterverrücktheiten erlebt haben, sondern der Wind mal mehr, mal weniger, aber immer stur aus Nordwest wehte mit regelmäßigen Niesel- und heute sogar dickeren Regenschauern im Gepäck, ist der Vogelzug in vollem Gange. Nach wie vor ziehen verstärkt Drosseln, vor allem Rot-, Wacholder- und Singdrosseln, dazu etwas Finkenzug. Die Gebüsche haben sich, nach dem weitgehenden Abzug der Vögel vom Anfang der Woche, wieder mit vor allem Wintergoldhähnchen aufgefüllt (sie sind wieder überall). Aber mit dem zunehmenden Wind heute über Tag versteckten sich die Kleinvögel in den Büschen und man musste sich schon richtig anstrengen und intensiv beobachten, um sie dort wieder herauszuarbeiten. Nur an der Wattkante ist immer was los. Allerdings sind bei den Möwen, Limikolen und Enten die Listen der Inseln und auch am Festland erfreulicherweise schon ziemlich vollständig, so dass es hier nicht mehr viel Neues zu holen gibt.

So sind es auch heute vor allem wieder die Seevögel, die die Gesamtartenliste auf 218 Arten anwachsen lassen: Dunkler Sturmtaucher jeweils vor Norderney und Spiekeroog sowie Schwalbenmöwe auch vor Norderney und Spiekeroog und ebenfalls vor Wangerooge. Der Tagesknaller sind aber zweifelsohne die beiden Polarmöwen, die heute vor Norderney über die stürmische Nordsee zogen. Unsere Special-Guest-Liste, die bisher nur aus Gästen des fernen Ostens besteht, wird heute bereichert durch diesen neuen Gast aus dem hohen Norden. Und gleichzeitig ist sie auch ein Neuzugang für die Aviathlon-Ewigenliste! Das ist jetzt schon die dritte neue Art für die Ewigenliste in dieser Woche. Wie krass!!!

Polarmöwen gehören zu den wenigen Arten, die während des ganzen Jahres die arktische Zone kaum verlassen. Sie brüten an den Küsten Grönlands und Ostkanadas und erscheinen auch im Hochwinter kaum südlicher als auf Island. Bei extremen meteorologischen Bedingungen erscheinen Polarmöwen ausnahmsweise auch vereinzelt an den Küsten oder Seen Europas. Wir haben aber erst Herbst und der erste heftige Nordweststurm liegt schon fast 2 Wochen zurück. Nach den Daten von Ornitho gibt es für Oktober lediglich eine Handvoll Beobachtungen dieser Art bei uns. Umso besonderer diese Beobachtung, und natürlich auch für den Aviathlon.

Am Festland geht es heute, an Tag 6, bei diesem Wetter, mit diesem Wind, die Zielgerade im Blick nochmal ordentlich zur Sache. Mit Greetsiel, Norddeich und Carolinensiel gehen 3 weitere Festlandsregionen mit großem Schwung über die 100er Marke. Auch im Wangerland wurde sich heute nochmal richtig ins Zeug gelegt. Die Aviathleten belohnen sich dafür mit 11 neuen Arten. Das reicht aber (noch) nicht, um an Wilhelmshaven vorbeizuziehen und den dritten Platz zu besetzen. Wilhelmshaven arbeitet sich nämlich weiter Art um Art voran. An der Wurster Küste und in Cuxhaven ist das Tempo raus. Die Wattflächen, Salzwiesen, Gebüsche, Vorländer, Wälder scheinen weitgehend abgearbeitet. Es kommt durch das schwache Zuggeschehen wenig Neues rein. Euch würde jetzt wahrscheinlich am meisten ein dicker Sturm aus Nordwest helfen, damit es sich lohnt, die Spektive auf‘s Meer zu richten. Die Windvorhersage lässt da ehrlicherweise nicht allzu große Hoffnungen aufkommen…

Norderney lässt die Orni-Muskeln spielen und zeigt uns, wo das Fernglas hängt und das Spektiv steht. Wie gesagt, auch heute lohnte sich vor allem von der Promenade wieder der Blick nach Nord, dem Wind, dem Regen und vor allem den ziehenden Vögeln auf dem Meer entgegen. Die anderen Inseln machten das natürlich auch, aber Norderney hat heute einfach den längeren Atem und zieht an Wangerooge vorbei und übernimmt die Führung. Es bleibt ein hart umkämpftes Rennen und noch ist hier gar nichts klar.

Es bleiben noch 2 Tage, um alles rauszuholen, was geht. Morgen soll’s noch windig aus Nordwest bleiben. Also weiter mit Seawatching? Und am Festlnad, was kann bei euch morgen noch gehen? Weiter die Gebüsche abklopfen, die Vorländer absuchen, in den Himmel schauen und hören. Liebe Aviathleten, ihr beweist auch am 6. Aviathlontag immer noch große Ausdauer und gönnt euch keine Verschnaufpause. Damit verlängert ihr nicht nur stetig eure Artenlisten, sondern haltet das Rennen spannend bis zum Schluss. Morgen geht’s auf die Zielgerade, Samstag ist Endspurt angesagt!

Tag 5 – Mittwoch, 15.10.2025

Dieser olle Nieselregen nervt so langsam und macht eigentlich nicht so richtig Laune auf Draußen sein und Vögel beobachten. Auch das Tempo auf den Artenlisten ist am 5. Aviathlontag naturgemäß etwas langsamer, aber eben nur etwas. Von Demotivierungserscheinungen überhaupt keine Spur. Im Gegenteil, ihr trotzt den widrigen Bedingungen, geht weiter raus zum Beobachten und seht natürlich auch heute wieder neue Arten für unsere Gesamtartenliste. Cuxhaven macht heute in Spechte und bringt Klein- und Schwarzspecht neu dazu. Norderney und Spiekeroog setzen weiterhin auf (morgendliches) Seawatching und holen die Gryllteiste. Spiekeroog hängt auch noch nachts ein Audioaufnahmegerät zur Erfassung des nächtlichen Vogelzugs raus und wer zieht vorbei? Zwergschwäne, rufend genau im richtigen Moment. Greetsiel schaut zur richtigen Zeit in den richtigen Baum und sieht einen Trauerschnäpper. Und Wangerooge haut auch heute wieder eine, nein, gleich 3 neue Arten raus (aus dem Gebüsch bzw. Schilf): Karmingimpel, Teichrohrsänger und Goldhähnchen-Laubsänger. Der dritte Gast aus dem fernen Sibirien, der auf seinem Herbstzug „falsch abgebogen“ ist und den Weg ins Wattenmeer gefunden hat. Karmingimpel,Trauerschnäpper und Teichrohrsänger gehören auf jeden Fall in die Kategorie „Herbstzug-Bummler“. Also ziemlich spät dran die drei. Der Großteil ihrer Artgenossen hat sich längst auf den Weg ins Winterquartier im tropischen Afrika bzw. in Indien (! Karmingimpel) gemacht.

Am Festland tut sich nicht viel an der Platzverteilung. Cuxhaven bleibt auf Platz 1, vor allem, weil dort heute nochmal 9 neue Arten dazugekommen sind. Ganz stark! Auch ganz stark: Wangerland, Dangast und Fedderwardersiel rücken auf und kommen über die 100! Auf den Inseln ging es heute ebenfalls weiter nach oben auf den Listen: alle Inseln über 100! Aber auch hier tut sich an der Platzverteilung nicht viel. Unangefochten und weiterhin an der Spitze: Wangerooge mit heute 160 Arten insgesamt. Wangerooge will den Titel nach einem Jahr Pause unbedingt wieder nach Hause holen. Norderney schafft es einfach nicht, die nach wie vor vier Arten Rückstand aufzuholen.

Mittlerweile sind 14 Vogelarten auf allen Regionen- und Insellisten vertreten: Weißwangengans, Graugans, Stockente, Kormoran, Mäusebussard, Großer Brachvogel, Ringeltaube, Kohlmeise, Star, Amsel, Rotkehlchen, sowie Lachmöwe, Silbermöwe und …? Die Sturmmöwe – unser diesjähriger Titelvogel der Zugvogeltage. Wir feiern die 17. Zugvogeltage im UNESCO Weltnaturerbe und Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer, aber es ist das erste Mal, dass eine Möwe zum Titelvogel gekürt wurde. Dabei sind Möwen DIE prägende Vogelgruppe an unserer Küste und überall im Nationalpark präsent. Da wurde es Zeit, dass endlich eine Möwenart die Zugvogeltage repräsentiert. Neben den lauten Silber- und Heringsmöwen und den „süßen“ Lachmöwen gehen die Sturmmöwen oftmals etwas unter in der Wahrnehmung. Völlig unnötig, ist sie doch im Nationalpark sowohl Brutvogel, Durchzügler als auch Wintergast. Jährlich rasten rund 60.000 Sturmmöwen im Wattenmeer und jetzt auf dem Herbstzug kann man sie (wie die Artenlisten zeigen) vom Rheiderland bis an die Elbe in allen Regionen und auf allen Inseln im Wattenmeer antreffen. Ihre Rastplätze liegen vor allem auf Stränden und in Salzwiesen im Osten der Inseln sowie in der Leybucht und dem Jadebusen. Die meisten Sturmmöwen, die wir im Herbst bei uns beobachten können, stammen aus Skandinavien und dem Baltikum, insbesondere aus Finnland, dem Partnerland der Zugvogeltage 2025. Etwa 10% der Sturmmöwen Flyway-Population auf dem Ostatlantischen Zugweg nutzen das Wattenmeer als Rast- und Wintergebiet. Grund genug dafür zu sorgen, dass, neben den hunderttausenden anderen Gast- und Wintervögeln im Wattenmeer, auch die nicht ganz so extrovertierten Sturmmöwen einen reich gedeckten Tisch und vor allem ruhige Rastplätze im Nationalpark vorfinden, damit sie die entbehrungsreichen Zeiten in Herbst und Winter gut überstehen können.

Leute, die Zielgerade rückt schon näher! Am Ende des Tages zählen wir 8 neue Arten und es stehen heute 213 Arten auf der Gesamtartenliste. 223 Arten gilt es zu toppen, denn das ist das bisher beste Ergebnis, was beim Aviathlon jemals erreicht wurde. Das war 2022. Für diesen Aviathlon bedeutet das, noch 10 neue Arten. Es sind noch 3 Tage zu birden von früh bis spät. Auf geht’s, haltet durch!

Tag 4 – Dienstag, 14.10.2025

Kleiner, aber wichtiger Nachtrag zu gestern vorab: Es war der Rothalstaucher, nicht der Ohrentaucher. Der Ohrentaucher ist doch schon Sonntag auf die Liste geflogen. Neu war gestern der Rothalstaucher. Aufmerksame Aviathleten haben den gestrigen Fehler im Tagesbericht sofort bemerkt. Ist geändert, vielen Dank euch!

Ihr fleißigen und hochmotivierten Vogelbeobachter da draußen! Vier herbstlich-farbenfrohe, erlebnisreiche und spannende Aviathlon-Tage mit vielen, sehr vielen Arten liegen hinter uns. Das heißt, mit der heutigen Etappe ist schon Bergfest. Wie schnell das alles wieder geht. Aber ihr lasst es auch ganz und gar nicht langweilig werden mit eurer ungebrochenen Beobachtungsfreude im gesamten Wattenmeer. Ganz große Klasse!

Und das, obwohl das Geschäft mit der Vogelbeobachtung heute erneut durchaus mühselig war. Das Wetter stellte uns wieder vor herausfordernde Bedingungen. Mal nieselte es ordentlich, dann schien wieder die Sonne, dazu ein kräftiger Wind aus Nordwest. Im Jadebusen haderten die Aviathleten mit den ungünstigen Hochwasserzeiten. Offenbar auch herausfordernd für Zugvögel, denn das Zuggeschehen war heute erneut eher ruhig. Auf den Inseln waren die gestrigen Wintergoldhähnchen-Massen über Nacht und am Morgen weitgehend abgezogen. Über Tag war der Vogelzug über den Inseln jetzt auch nicht soo offensichtlich bzw. intensiv. Vogelzugbeobachtung über dem Meer heute ganz schwierig, wegen der Nieselschauer und dem Nordwestwind. Trotz allem, es ging in allen Wattenmeer-Lebensräumen doch immer noch etwas. Die neuen Arten für die heutige Gesamtartenliste sind aus vielen verschiedenen Artengruppen vertreten: u.a. Eisente vor Wangerooge, Eissturmvogel vor Norderney, Skua und Krabbentaucher vor Spiekeroog (trotz allem, Seawatching lohnt sich dann doch irgendwie immer), Steppenweihe im Jadebusen am Vareler Beobachtungsturm, Trauerbachstelze in Dornumersiel. Dazu gesellten sich auch einige Besonderheiten. Um den Seidensänger in Greetsiel hat sich heute jemand erfolgreich gekümmert. Dort wurde ebenfalls ein Kuhreiher gesichtet! Der macht sich natürlich super auf der Greetsieler Artenliste. Noch besser macht er sich auf der Aviathlon-Ewigenliste, denn hier ist er neu! Als Sahnehäubchen zum Bergfest ein weiterer Knaller aus Fernost: Zum Buschspötter von Samstag gesellt sich heute ein Dunkellaubsänger auf Wangerooge, der nun schon zum vierten Mal Teilnehmer des Aviathlon ist. Dunkellaubsänger sind Brutvögel sibirischer Taigamoore und Feuchtwiesen. Zum Überwintern fliegen sie eigentlich nach Südostasien. Unser Dunkellaubsänger scheint, wie der Buschspötter, mit der Zugrichtung in Tüddel gekommen zu sein. Kann passieren, für Westeuropa ist er jedenfalls ein sehr seltener Gast im Herbst.

Mit den heute neuen Arten ist die 200er Marke der Gesamtartenliste genommen! Genau wie letztes Jahr am 4. Aviathlontag und es sind auch genau wie letztes Jahr 205 Arten insgesamt, die seit Samstag beim Aviathlon beobachtet wurden. Gleiche Artenzahl  nach derselben Etappe und das bei Wetterbedingungen, die im Vergleich zum letzten Jahr (Sturm und Vogelzug in Massen) völlig unterschiedlich sind! Das zeigt uns doch vor allem eines, nämlich dass Aviathleten ausgewiesene Kenner ihres Faches sind und uns den herbstlichen Vogelartenreichtum im Wattenmeer eindrücklich vor Augen führen.

Am Ende des Tages geht es aber doch um die harten Fakten, nämlich, wie viele Arten auf den Listen am Festland und auf den Inseln stehen. Auf den Inseln geht es weiter ungebremst zur Sache. Heute Mittag gab es mal kurz einen Gleichstand zwischen Wangerooge und Norderney. Aber Wangerooge bleibt erneut mit vier Arten vor Norderney. Spiekeroog will den dritten Platz, Langeoog schwächelt. Borkum und Baltrum schaffen den Sprung über die 100, Juist ganz knapp davor und wird morgen nachsetzen. Am Festland geht es auch weiter voran. Das Tempo scheint hier aber etwas raus, was vermutlich mit dem schwachen Zuggeschehen zusammenhängt und die Option des Seawatchens in einigen Regionen nicht so richtig zur Verfügung steht. Da sind die Inseln klar im Vorteil. Heute erringen das Wangerland und Neuwerk die 100. An der Verteilung der Plätze ändert der heutige Tag nichts. Cuxhaven weiter vorne mit insgesamt 129, dahinter folgen die Wurster Nordseeküste mit 123 Arten. Wilhelmshaven lässt sich mit 117 Arten nicht abschütteln und bleibt dran auf Platz 3.

Halbzeit beim Aviathlon 2025! Bisher erlebten wir spannende, abwechslungs- und vor allem artenreiche Tage. Wir sind sicher, dass ihr euch keine Pause gönnt. Morgen geht’s weiter.

Tag 3 – Montag, 13.10.2025

Oh wie schön ist Wattenmeer! Ein goldener Herbsttag geht zu Ende und wir haben ihn mehr als genossen. Zunächst das Wetter, das sich heute wirklich von seiner herbstlich schönsten und wärmsten Seite zeigte. Dazu nahm der Vogelzug heute wieder deutlich an Fahrt auf. War es gestern noch schwach bestellt um ziehende wie rastende Vögel, sowohl auf dem Meer als auch an Land, hat sich das Blatt über Nacht komplett gewendet. Auf den Inseln gab die gute Sicht am Vormittag den Blick auf das Meer wieder frei. Und es war beeindruckend, denn viele, wirklich viele Sterntaucher (über 300 in 3 Stunden vor Norderney), Mittelsäger, Eiderenten, Reiherenten, Bergenten, Ringelgänse, dazu einige Samtenten und Schmarotzerraubmöwen zogen nördlich der Inselkette in Richtung Westen vorbei. Das Seawatching brachte zudem eine neue Art auf die Gesamtartenliste. Zwischen die ziehenden Trupps der vielen anderen Arten mischte sich ein Rothalstaucher. Die Norderneyer und die Spiekerooger Aviathleten haben es bemerkt. Dazu kamen dann noch, vor allem auf Norderney und Spiekeroog, die bis zu 1000 Individuen umfassenden Trauerenten-Rasttrupps vor den Nordstränden. Und niemand musste heute Morgen frieren, weder beim morgendlichen Beobachtungsgang in Norddeich, am Jadebusen, an der Wurster Küste oder beim Seawatchen. Das passte perfekt zusammen. Auch der Kleinvogelzug über dem Land kam wieder in Schwung. Vor allem Drosseln, Finken, Pieper und Feldlerchen waren unterwegs. War es gestern auf den Inseln noch eher still in Gebüschen, Inselorten und Wäldchen, füllten sich über Nacht die Inseln mit Kleinvögeln. So piepte, zippte, fiepste es heute an allen Ecken und Enden. Besonders beeindruckend waren die Massen an Wintergoldhähnchen, die über die Inseln quasi hergefallen sind. Sie waren wirklich überall, in jedem Garten, Gebüsch, Inselwäldchen bei ihrer fleißigen Nahrungssuche zu beobachten. Am Abend haben sich verstärkt die Drosseln, vor allem Rot- und Singdrosseln auf den Weiterzug Richtung Westen gemacht. Toll zu beobachten, wie die Trupps aus den Gebüschen und Wäldchen aufstiegen und rufend in den Abendhimmel abzogen.

Am Festland ging es mit dem Vogelzug zwar nicht ganz so stark zu, wie auf den Inseln. Aber dennoch kamen die Regionen dort auf ihren Listen sehr gut voran. Cuxhaven, Wurster Nordseeküste und Wilhelmshaven haben die 100 schon weit hinter sich gelassen. Allerdings muss Wilhelmshaven die beiden anderen Regionen vorbeiziehen lassen. Alle anderen Regionen haben die 100er Marke noch fest im Visier. Dangast und Neuwerk (NP Hamburgisches Wattenmeer) setzten heute zum Sprung an, morgen wird die 100 genommen. Das Wangerland und Fedderwardersiel könnten das auch schaffen morgen. Bremerhaven ist zwar noch nicht ganz so weit, aber immerhin ist die Null überwunden.

Auch Borkum, Juist und Baltrum steuern fest entschlossen den Sprung über die 100 an. Alle drei heute mit fast 20 neuen Arten für ihre Listen. Wenn ihr so weitermacht, wird es morgen klappen! Langeoog konnte heute doch nicht so fett auspacken, wie erhofft. Mit 14 neuen Arten hat es nicht gereicht, an Spiekeroog vorbeizuziehen, die mit 20 neuen Arten den dritten Platz in der Inselwertung weiter behaupten. Und Norderney und Wangerooge birden ohnehin in ihrer eigenen Klasse. Es ist ein wahres Battle um jede neue Art. Für heute entscheidet Wangerooge den Etappensieg für sich mit 4 Arten Vorsprung.

Fazit für heute: 5 neue Arten auf der Gesamtartenliste. Damit beträgt der neue Gesamtstand nach Tag 3 192 Arten! Die 200er Marke könnte also morgen fallen. Ein fantastischer 3. Aviathlontag! Das Wetter verspricht für die kommenden Tage eher keine Kapriolen. Wir werden erleben, wie sich das ruhige Herbstwetter auf das Zuggeschehen auf den Inseln und am Festland auswirken wird.

Tag 2 – Sonntag, 12.10.2025

Das Wattenmeer zeigte sich heute im herbstlichen Oktobergewand Modell „Grau-in-Grau“, harmonisch kombiniert mit mal mehr, mal weniger Nieselregen und ein bisschen Wind aus Nordwest (zumindest auf den Inseln). Als durchaus angenehmes Accessoire:  milde Temperaturen, die das Draußen sein und die Vogelbeobachtung eigentlich recht angenehm machten. Für die Beobachtung ziehender Vögel über dem Meer reichte das aber keinesfalls. Durch die schlechte Sicht ging beim Seawatching heute (fast) nix. Von der Wattkante gibt’s ebenfalls wenig Neues zu berichten. Durch diese Wetterbedingungen war das sichtbare Zuggeschehen äußerst mau. Es kam wenig rein, es ging aber auch wenig raus. Dies war heute unsere Chance, das was an Vogelarten da ist, aus den Gebüschen und Sträuchern sorgfältig herauszuarbeiten. Die Mühe und Geduld haben sich an dieser Stelle gelohnt, denn es kamen vor allem Singvogelarten neu auf die Gesamtartenliste. Die wächst heute um 14 Arten auf insgesamt 186 an!

Jetzt fragt sich vielleicht der/die ein oder andere: Gestern waren es doch 175 Arten, heute 186 insgesamt, da sind doch eigentlich nur 11 Neue dazugekommen? Wir spielen im Aviathlon nach den Ornitho-Regeln, bei denen standardmäßig alle gemeldeten Beobachtungen auf ihre Plausibilität hin überprüft werden. Leider konnten nicht alle gestrigen Art-Beobachtungen im allabendlichen Validierungsprozess durch unsere engagierten Regionalkoordinatoren bestehen, so dass einzelne Arten die gestrige Gesamtartenliste wieder verlassen mussten. Ein großer Dank an dieser Stelle für unsere Ornitho-Regionalkoordinatoren in den jeweiligen Wattenmeerregionen. Euer abendliches Engagement und eure Bereitschaft, die außerordentlich großen Datenmengen während der Aviathlon-Woche durchzusehen und fachlich zu prüfen, sichern eine hohe fachliche Qualität und machen diesen Wettbewerb für alle fair und verlässlich. Darüber freuen wir uns sehr und auch das bringt den Spaß an der ganzen Sache.

Nun aber nochmal zurück zu den Neuen von heute: u.a. 3 Meisenarten (Hauben-, Tannen- und Sumpfmeise, alle in Cuxhaven und nur dort), eine späte Klappergrasmücke auf Norderney, ein später Baumpieper auf Spiekeroog. Und Norderney und Fedderwardersiel melden mit den ersten Berghänflingen einen typischen Wattenmeer-Wintergast, der mit seinem unverkennbaren „Twite“-Ruf und in rastlosen Trupps in den Salzwiesen nach Nahrung sucht.

Alle Artenlisten, sowohl auf den Inseln als auch am Festland, machten heute, trotz der mühseligen Beobachtungsbedingungen große Schritte nach vorne. Am Festland baute Wilhelmshaven zunächst die Führung aus. Aber dann nahm Cuxhaven Fahrt auf, überholt (den Meisen sei Dank) und beobachtet sich bis heute Abend mit einer Art Vorsprung auf Platz 1 am Festland. Diese beiden Regionen knackten zudem die 100er Marke. Das werden die anderen Regionen morgen, spätestens Dienstag nachholen. Die einen knacken die 100, die anderen beobachten intensiv und lassen sich nicht abhängen und eine Region hat den Startschuss verpasst. Liebe Bremerhavener, so eine Null sieht nicht schön aus in der Grafik. Bei euch gibt’s doch auch (Zug-)Vögel und tolle Gebiete, wo man sie sehen und erleben kann. Morgen, ok? 🙂

Auch auf den Inseln ging es heute munter voran. Borkum, Juist und Baltrum mit 75, 78 und 79 Arten nah beieinander. Dabei macht Baltrum mit 22 neuen Arten einen großen Schritt nach vorne. Davor rangeln Langeoog und Spiekeroog um Platz 3. Aber 25 neue Arten für Langeoog reichen nicht, um vorbeiziehen zu können. Heute kann Spiekeroog den Platz noch halten, aber was packen die Langeooger morgen aus? Norderney und Wangerooge sind zum offenen „Arten-Schlagabtausch“ übergegangen. War Wangerooge den ganzen Tag eigentlich im Voraus, hatte Norderney im heutigen Etappenendspurt doch den längeren Atem. Beide Inseln beobachten 14 neue Arten auf ihre Listen, so dass Norderney den Vorsprung von 2 Arten halten kann und in Führung bleibt. Wie spannend ist das denn?

Toll zu sehen, wie alle Inseln und Regionen, trotz der schwierigen Bedingungen heute, so viele neue Arten auf ihre Listen dazu beobachtet haben. Auf geht’s zur morgigen dritten Etappe des Aviathlon!

 

Tag 1 – Samstag, 11.10.2025

Der Startschuss ist gefallen für den Aviathlon 2025! Im Rahmen der 17. Zugvogeltage im UNESCO Weltnaturerbe und Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer geht es auf den Ostfriesischen Inseln, entlang der niedersächsischen Wattenmeerküste vom Rheiderland über den Jadebusen nach Cuxhaven und über Neuwerk im Nationalpark Hamburgisches Wattenmeer bis an die Unterelbe seit heute 0:00 Uhr wieder um die meisten beobachteten Vogelarten. In den nächsten 8 Tagen wollen wir die bunte Vogelartenvielfalt und den herbstlichen Vogelzug im Wattenmeer gemeinsam erleben und genießen und dabei im freundschaftlich-fairen Wettstreit zwischen den Wattenmeerinseln und den Festlandsregionen möglichst viele Vogelarten beobachten. Denn am Ende führt die längste Artenliste nicht nur zu Ruhm und Ehre, sondern vor allem auf das große Zugvogelfest in Horumersiel. Im Rahmen einer Siegerehrung wird die siegreiche Insel und Festlandsregion mit einer vom „Zugvogeltage-Künstler“ Reno Lottmann gestalteten Siegerurkunde gebührend gefeiert und geehrt.

Wir – Andreas und Nadine mit dem Aviathlon-Team – freuen uns, alle (Zug-)Vogelbegeisterte und die, die es nach den kommenden 8 Tagen sein werden, an dieser Stelle wieder begrüßen zu dürfen und erwarten natürlich in gewohnter Manier ein spannendes Rennen um die längste Artenliste in den Regionen und auf den Wattenmeerinseln. 🙂

Die Stars und Sternchen der internationalen Zugvogelszene treffen sich zum munteren Stelldichein im Wattenmeer und wir dürfen dabei sein, um dieses faszinierende Naturschauspiel live zu erleben. Den Aufschlag zum diesjährigen Aviathlon machte allerdings um kurz nach Mitternacht der Waldkauz in Wilhelmshaven. Schleiereule, Wald- und Sumpfohreule folgten, womit die Eulenreihe schon fast komplett ist nach dem ersten Tag. Doch auch die „echten“ Zugvögel ließen sich nicht lumpen und ließen die Artenlisten in allen Regionen und Inseln schnell länger werden. Allen voran natürlich unsere typischen Wattenmeer-Limikolen: u.a. Säbelschnäbler, Austernfischer, Brachvögel, Kiebitzregenpfeifer oder Rotschenkel sind auf nahezu allen Artenlisten heute schon zu finden. Auch wenn der Wind nicht mehr ganz so dolle wehte wie in der vergangenen Woche, so konnten zumindest die Inseln noch vom Seawatching profitieren und über dem Meer ziehende Arten wie Sterntaucher, Prachttaucher, Wellenläufer, Basstölpel, Tordalk oder Trottellumme auf ihre Listen bringen und damit den Anfang machen für die Gruppe der (Hoch-)Seevögel. Bei Grünspecht, Mittelspecht, Eichelhäher oder Kolkrabe haben wiederum die Festlandsregionen, lebensraumbedingt, einen Vorteil gegenüber den Inseln. Und bei den Singvögeln ist ohnehin alles überall möglich, was der Waldbaumläufer auf Wangerooge, späte Rauch- und Mehlschwalben oder Rotkehlpieper, Sporn- und Zwergammer zeigen. Die Gelbbrauen-Laubsänger gehören dabei mittlerweile schon fast zu den Normalos um diese Jahreszeit an der Küste.

Allerdings ist da noch die Sache mit dem Buschspötter. Das ist nun wirklich ein erster Knaller, mit dem Norderney gleich am ersten Tag ein Ausrufezeichen setzt. Ist der Buschspötter doch eigentlich ein Brutvogel der sibirischen Steppen. Er brütet dort in niedrigen Gebüschen und überwintert eigentlich in Indien. Das Beste ist aber: Er ist neu, ganz neu für den Aviathlon, noch nie zuvor während der Zugvogeltage gesehen. Das geht ja richtig gut los. Für Norderney sowieso, denn die Insel setzt sich am ersten Tag gleich mit 116 Arten an die Spitze der Inselwertung. Ganz dicht gefolgt von Wangerooge mit 114 Arten. Das lässt erneut ein heißes, umkämpftes Artenrennen erwarten. Norderney will Wangerooge, den (ehemaligen) Langzeit-Aviathlonsieger, erneut in die Schranken weisen und den Titel verteidigen. Der Kampf der Giganten ist eröffnet! 🙂 Aber freut euch nicht zu früh, die anderen Inseln werden nicht klein bei geben. 

Am Festland hat Wilhelmshaven nicht nur mit dem Waldkauz was rausgeholt. Am Ende stehen 94 Arten auf der Liste und das heißt für heute „Führung“ in der Festlandswertung. Das Wangerland und die Wurster Nordseeküste folgen, wenn auch mit etwas Abstand. Die anderen Regionen lassen es noch gemütlich angehen. Aber Vorsicht, die heutigen ersten 3 Regionen wissen, wie Aviathlon geht. Lieber morgen schnell ran ans Fernglas und raus vom Emsland, an den Jadebusen und bis nach Cuxhaven!

Insgesamt wurden heute schon sage und schreibe 175 Vogelarten beobachtet! Das ist das bisher stärkste Ergebnis an einem ersten Aviathlontag. Zeigt es uns doch, dass nicht nur der Vogelzug in vollem Gange ist, sondern auch, wie viele Vogelbeobachter und Beobachterinnen auf den Inseln und am Festland unterwegs sind und durch ihre Beobachtungen die große Artenvielfalt der Vögel im Wattenmeer sichtbar machen. Wir sind nach dem ersten Tag schwer begeistert, mit welchem Einsatz und Engagement ihr in euren Regionen in Sachen Vogelbeobachtung unterwegs seid. Das wird wieder eine spannende Aviathlon-Woche. Die Wettervorhersage für morgen zeigt auf alles: Seawatching, Gebüsche checken, in die Luft gucken, Hochwasserrastplätze beobachten! Wir sind gespannt, was morgen auf See und an Land möglich ist.

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