Aviathlon 2021

Tag 8 – Samstag, 16.10.2021

Es ist vollbracht!

Die 13. Zugvogeltage im UNESCO Weltnaturerbe und Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer liegen hinter uns und damit auch 8 motivationsgeladene, aufregende, vogelarten- wie erlebnisreiche Aviathlon-Tagesetappen. Dass es am gestrigen Samstag, dem letzten Tag des Aviathlon 2021, noch einmal so spannend werden würde – wer hätte das gedacht? Wangerooge lag Freitag im Rückstand, der Sieg und damit der Hattrick schienen schon verloren. Norderney, die mit Abstand stärkste Rivalin in der Inselwertung, mit mehreren Arten auf der Liste im Vorsprung. Da musste am Samstag noch einiges kommen…

Und es ging noch ein letztes Mal richtig zur Sache, auf den Inseln wie auf dem Festland. Denn auch hier war am Freitagabend unter den 4 führenden Regionen Wangerland, Fedderwardersiel, Cuxhaven und Newcomer Unterelbe noch nichts ausgemacht. Alle lagen denkbar dicht beieinander, jede Art mehr auf der Liste machte den Unterschied und bedeutete Sieg oder Platz.

Aber der Reihe nach: Für die Gesamtartenliste wurden am letzten Tag noch fünf weitere neue Arten beobachtet: Zwergschwan, Rebhuhn und Weidenmeise im Wangerland. Norderney konnte noch zwei echte Knaller – Falkenraubmöwe und Zwergammer – beisteuern. 16 der 22 Inseln und Regionen haben deutlich über 100 Arten erreicht.

So haben sich für die Gesamtartenliste alle Anstrengung, alle Motivation, eure ungezählten Beobachtungsstunden auf den Inseln und am Festland mehr als gelohnt. Mit insgesamt und großartigen 220 Vogelarten endet der diesjährige Aviathlon mit einem fulminanten Schlusspunkt. Das ist das zweitbeste Ergebnis in der Aviathlon-Geschichte nach 221 Arten beim Wettstreit 2018. Ein großartiges Ergebnis! Ihr habt es geschafft, durch intensivstes Beobachten und Herausarbeiten von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang und eurer enormen ornithologischen Expertise den Aviathlon erneut zu einem vollen Erfolg zu machen und darüber hinaus gezeigt, wie groß die herbstliche Vogelartenvielfalt im Wattenmeer sein kann. Es ist euer Erfolg!

Aber wer sind denn nun die Sieger?

Man kann fast sagen, dass sich sowohl am Festland als auch auf den Inseln regelrechte Birding-Battles geliefert wurden. Bis auf den letzten Meter wurde noch um die eine Art Vorsprung gekämpft.

Am Festland hat am Ende das Wangerland das Fernglas vorn gehabt und siegt mit insgesamt 152 Arten in der Wertung der Festlandsregionen. Das Wangerland hat damit nicht nur den Titel vom letzten Jahr erfolgreich verteidigt, sondern ihr Endergebnis auch um ganze 11 Arten verbessert. Großartig!!!

In der Inselwertung siegen sowohl Norderney als auch Wangerooge mit sage und schreibe 167 Vogelarten auf ihren jeweiligen Listen. Was für ein tolles Ergebnis nach diesen anstrengenden Tagen. Damit werden beide Inseln für ihre immense Vogelbeobachtungsleistung voll belohnt. Wangerooge hat damit den Titel verteidigt und es gelingt der Hattrick. 167 beobachtete Vogelarten in einer Woche Aviathlon ist auch der Höchststand ever in der Aviathlon-Geschichte seit 2009. So viele Vogelarten wurden bisher noch nie von einer, bzw. sogar in jeweils zwei Regionen, beobachtet.

Einer solchen Leistung gebührt natürlich Ehre in einer großen Siegerehrung. Die haben wir am heutigen Sonntag in Horumersiel auf dem Zugvogelfest vorgenommen, das in diesem Jahr wieder in echt stattfinden durfte.  Ein fröhlicher und würdiger Abschluss des Aviathlon 2021!

Was bleibt noch zu sagen?

Uns hat es von hier aus wieder großen Spaß gemacht, euch und euren Aviathlon zu begleiten. Mit Bewunderung, Begeisterung und Hochachtung haben wir gesehen, mit welch riesiger Motivation, Engagement und Ehrgeiz ihr in euren Regionen bis hinter den letzten Busch, die letzte Düne, die letzte Welle geguckt habt und den Himmel nach Zugvögeln abgesucht und -gehört habt. Das war Vogelbeobachtung der Meisterklasse! Ein riesengroßer Dank an euch so zahlreiche Vogelbeobachter, die sich am Aviathlon 2021 beteiligt haben und diesen Wettstreit zu einem vollen Erfolg gemacht haben. 1000 Dank gilt auch dem Team von Ornitho.de und den Regionalkoordinatoren vor Ort. Auch durch eure fachliche und technische Unterstützung ist der Aviathlon was er ist: ein Vogelbeobachtungsevent der besonderen Art.

Jetzt heißt es wieder: nach dem Aviathlon ist vor dem Aviathlon. In diesem Sinne, bis nächstes Jahr!

Artenliste Tag 8, 16.10.2021: /sites/default/files/tag8_16102021final.pdf

 

Tag 7 – Freitag, 15.10.2021

Heute Morgen wollte das Wetter nicht mehr. Ein dickes Schlechtwetterband zog sich über die niedersächsische Wattenmeerküste und brachte gebietsweise viel Regen mit. Da lief die vorletzte Etappe des Aviathlon 2021 zunächst etwas mühsam an. Aber es wurde… Zwar kam heute ‚nur‘ eine neue Art dazu, aber was für eine! Einen Atlantiksturmtaucher (ehemals Schwarzschnabel-Sturmtaucher) wehte es in die Elbemündung vor Cuxhaven und somit hat diese Region nun einen echten Knaller auf der Liste. Schon wieder eine Vogelart der Hochsee, die es in die deutsche Bucht verschlagen hat. Der Atlantiksturmtaucher brütet auf Inseln und an den Küsten des Nordatlantiks. Er ist ein Langstreckenzieher, der ab September zunächst nach Süden über den Äquator fliegt und dann nach Westen abbiegt, den Atlantik überquert, um vor der Atlantikküste Brasiliens und Argentiniens zu überwintern. Wow! Und heute vor Cuxhaven! Damit ist der Atlantiksturmtaucher nicht nur neu für die diesjährige Gesamtliste, sondern auch neu für den Aviathlon insgesamt. Er gesellt sich damit zu Buschrohrsänger, Nachtigall und Haubenlerche, die dieses Jahr ebenfalls als neue Arten in die Aviathlon-Geschichte eingehen.

Aber der Wind wehte auch heute noch kräftig und der Vogelzug auf See hält nach wie vor stark an. So zogen z.B. heute am frühen Morgen auf Norderney innerhalb einer Stunde 13 Dunkle Sturmtaucher vor Nord vorbei. Tolle Beobachtungen! Da macht es auch nichts, dass diese Art schon seit Dienstag auf der Norderneyer Liste ist.

Gucken wir uns noch die aktuellen Platzierungen an: Auf den Inseln tut sich auf den ersten beiden Plätzen heute nichts. Norderney und Wangerooge tun sich schwer, bis heute Abend mit nur jeweils einer neuen Art für die Listen. Heute hat es nicht so geklappt. Aber Norderney hält den beträchtlichen Vorsprung und bleibt auf Platz 1. Noch. Aber was kommt morgen? Kann Wangerooge noch eine Schüppe drauflegen und den Rückstand einholen? Oder ist der Sieg für Norderney schon sicher? Auf allen anderen Inseln lief es heute deutlich besser, denn alle legen ordentlich zu. Langeoog beobachtet 3 neue Arten, Juist sogar mit 14 neuen Arten dabei. Borkum holt sich 11 neue Arten auf die Liste und ist damit auf Platz 3. Morgen ist noch viel möglich, aber seien wir realistisch: Norderney und Wangerooge werden das wohl unter sich ausmachen.

Am Festland ist dagegen noch gar nichts klar. Hier ist es so was von knapp. Wangerland, Fedderwardersiel, Cuxhaven und Unterelbe liegen sehr sehr dicht beieinander, dass hier wohl erst morgen Abend die endgültige Entscheidung über Sieg und Platz fällt. Aber allein, dass gleich 4 Regionen mit ±140 Arten ganz vorne mitbeobachten, ist schon ein supertolles Ergebnis und zeigt, wie viele Beobachter unterwegs sind und ‚ihre‘ Region mit ihren Beobachtungen ganz nach vorne bringen wollen. Am Festland wird die letzte Etappe des Aviathlon noch richtig spannend.

Und morgen? Aviathleten, Vogelbeobachter, Gäste und Freunde im und am Wattenmeer – morgen heißt es nochmal alles geben für die Zugvögel: Endspurt beim Aviathlon 2021! Noch liegt ein ganzer Beobachtungstag vor euch, noch kann die Gesamtartenliste weiter wachsen und noch stehen die beiden Sieger nicht fest. Auf geht’s zum letzten Wettkampftag!

Die interaktive Ergebnisgrafik und auch die Artenlisten auf der Zugvogeltage-Homepage sind jetzt nicht mehr zu sehen. Es soll ja spannend bleiben. Alle bis Samstag, 24:00 Uhr bei Ornitho gemeldeten Beobachtungen gehen in die Wertung für die Regionen mit ein. Am Sonntagmittag in Horumersiel heißt es dann wieder: „And the winner is… !“

Wir freuen uns sehr, dass dieses Jahr die Zugvogeltage wieder mit einem ‚richtigen‘ Zugvogelfest feierlich und fröhlich beendet werden können. Wir möchten unsere 8 Tage Aviathlon im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer gemeinsam und in echt Revue passieren lassen und natürlich die beiden Sieger-Regionen bekannt geben und die Siegerurkunden überreichen. Ihr seid hoffentlich alle dabei! Alle wichtigen Infos zum zugvogelfest gibts hier: https://www.zugvogeltage.de/zugvogelfest

Morgen nochmal alles geben! Viel Glück, Spaß und viele tolle Beobachtungen! Bis Sonntag!

Artenliste Tag 7, 15.10.2021: /sites/default/files/tag7_15102021.pdf

 

Tag 6 – Donnerstag, 14.10.2021

Wie krass ist das denn?!?! Von wegen es geht langsamer voran. Heute schaffen es ganze 8 neue Arten auf die Gesamtliste. Darunter echte Highlights wie ein Waldpieper (ein Brutvogel der offenen sibirischen Taiga) auf Norderney, Goldhähnchen-Laubsänger (ebenfalls ein weit gereister Gast aus Sibirien) auf Norderney und Wangerooge, ein später Schilfrohrsänger und eine ebenso späte Trauerseeschwalbe (eigentlich waren es sogar 2) auch auf Wangerooge. Dazu kam noch ein Thorshühnchen auf Norderney (ist eine Nachmeldung, der Vogel war bereits am Montag dort gesehen worden). In Cuxhaven wurde die Haubenlerche endlich wiedergefunden, die sich schon seit einiger Zeit an der Kugelbake aufhält und sich wohl vorm Aviathlon drücken wollte. Ebenfalls Kleinspecht in Cuxhaven. In der Region Bremerhaven schaffte es heute die Rothalsgans auf der Luneplate auf deren Liste sowie auf die Gesamtartenliste. Damit schließen sich bei den Gänsen auch weiter die Lücken in der Liste.

In jedem Fall sind Norderney und Wangerooge extrem gut beobachtet, dass ihre Meldungen die Artenzahlen auf der Gesamtliste regelrecht in die Höhe treiben. Das bedeutet für die Gesamtliste, Stand heute: 213 Arten. Noch ist das Endergebnis vom letzten Jahr, da waren es 215 Arten, nicht eingestellt. Und auch für die bisherige Bestmarke von 221 Arten beim Aviathlon 2018 fehlt noch die ein oder andere Art. Aber das Rennen ist ja auch noch nicht zu Ende. Vor allem nicht auf Norderney und Wangerooge. Kann Wangerooge noch mithalten? Norderney legt dermaßen vor und steht heute bei 163 Arten. Damit ist das Siegerergebnis vom letzten Jahr, was auch gleichzeitig das bisherige Bestergebnis ever in der Inselwertung war und auch noch auf Wangerooge erzielt wurde, eingestellt! Vielleicht ist Norderney ein ganz klein bisschen im Vorteil, weil es eben die größere Insel, mit dem doch etwas größeren und diverseren Habitatangebot ist, im Vergleich zum kleinen Wangerooge.

Am Festland wird es jetzt spannend. Es deutet sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen dem Wangerland, Fedderwardersiel und der Unterelbe an. Für heute kann Fedderwardersiel mit 141 Arten den ersten Platz in der Festlandswertung noch halten. Aber die beiden anderen sind mit 138 und 139 dicht, verdammt dicht dran. Auch Cuxhaven könnte noch entscheidend in die Plätzeverteilung eingreifen.

Wer behält am Ende die Ausdauer und vielleicht auch das nötige Quäntchen Glück für Platz 1?

Wieder einmal bleibt zu sagen: Es ist soo spannend. Und es macht wieder einmal großen Spaß, diesen Aviathlon „von hier“ zu begleiten. Es sind noch neue Arten möglich. Auch an Tag 6 habt ihr uns wieder eindrücklich gezeigt, dass in jeder einzelnen Region, auf jeder Insel immer noch was drin ist. Die Aviathlon-Sieger sind noch nicht ausgemacht. Morgen soll es wieder kräftig aus Nordwest wehen. Eine gute Gelegenheit, sich nochmal dem Seawatching zu widmen und die Seevögel auf der Liste zu vervollständigen. Oder die Gebüsche nochmal sorgfältig nach Kleinvögeln durchzuarbeiten. Ihr habt noch 2 Tage, in denen es nur heißen kann: Birden, birden, birden!

By the way: Wo sind eigentlich Zwergschwan, Zwergsäger und Seidenreiher? In diesem Sinne, bis morgen.

Artenliste Tag 6, 14.10.2021: /sites/default/files/tag6_14102021.pdf

 

Tag 5 – Mittwoch, 13.10.2021

Ihr beobachtet dermaßen schnell und haut die neuen Arten raus, da ist kaum hinterher zu tippen…. Gestern Abend noch Krabbentaucher auf Wangerooge! Der fehlte auch noch in der Meeresvogelrunde. Und dann legt Norderney heute Morgen den Turbo ein, zieht alle Register und setzt sich souverän mit jetzt sagenhaften 153 Arten auf der Liste an die Spitze der Inselwertung. Wangerooge jetzt mit 9 Arten im Rückstand auf dem zweiten Platz. Ist das noch wieder aufzuholen oder muss sich die Insel vom Hattrick verabschieden? Es sind noch 3 Tage, in denen viel passieren kann. Die anderen Inseln verbessern sich ebenfalls stetig weiter. Borkum heute mit dem Sprung über die 100. Am Festland geht es heute ruhiger zu, auf Platz 1 und 2 tut sich heute nichts. Fedderwardersiel hält die 140, dahinter Unterelbe mit 127 Arten. Das Wangerland und Cuxhaven legen dagegen nochmal ordentlich drauf, das Hamburgische Wattenmeer überspringt die 100. Die Gesamtartenliste zählt bereits 206 Arten. Ja, es geht langsamer voran. Neben dem gestrigen Krabbentaucher ist heute eine Eisente im hamburgischen Wattenmeer neu dazugekommen.

Eure Motivation scheint auch an Tag 5 ungebrochen. Darüber freuen wir uns sehr und sind nach wie vor beeindruckt, wie ausdauernd und angespornt ihr in euren Gebieten, Inseln und Regionen beobachtet. Ganz große Klasse!!!

Zum Thema, wie sich Arten in den verschiedenen Regionen verteilen ist bemerkenswert, dass z.B. die Tannenmeise einzig in Cuxhaven bisher gesehen wurde. Weil sie in den dortigen Wäldern an der Küste als Brutvogel vorkommt und zudem Standvogel in unseren Breiten ist. In den anderen Regionen am Festland und vor allem auf den Inseln kann sie dagegen vor allem dann beobachtet werden, wenn es einen Masseneinflug von nordeuropäischen Tannenmeisen gibt.

Noch gibt es keine eindeutigen Anzeichen dafür, aber von der Unterelbe und auch von Norderney wurde heute wiedereinsetzender Singvogelzug gemeldet. Auf Norderney waren es vor allem Rotdrosseln und Wintergoldhähnchen, dazu noch mindestens 3 verschiedene Gelbbrauen-Laubsänger. Die Unterelbe berichtet ebenfalls von wieder aufflammendem Singvogelzug. Die letzte Nacht war frostig, dazu im Verlauf des Tages wechselnde Windrichtungen, mal sonnig, mal wolkig, dazwischen Regenschauer – Wetterbedingungen, die für Zugstaueffekte sorgen können. Sehen konnte man das auch: tausende Goldregenpfeifer und Wolken von Kiebitzen flogen in die Elbmarschen in Nordkehdingen ein. Dazu kamen größere Feldlerchen-, Berg- und Buchfinkentrupps, die von Norden über die Elbe reinkommend in den Flächen rasteten.

Aviathleten, nicht schlapp machen! Zum Ausruhen ist noch keine Zeit. Der Aviathlon hat noch 3 Tage, in denen noch richtig was gerissen werden kann. Das Wetter und der sich wieder verstärkende Singvogelzug kann da vielleicht noch die eine oder andere Überraschung bereithalten. Vielleicht klappt’s dann auch mit der Tannenmeise…

Bis morgen, erholt euch!

Artenliste Tag 5, 13.10.2021: /sites/default/files/tag5_13102021.pdf

 

Tag 4 – Dienstag, 12.10.2021

Beim gestrigen, zugegeben spätabendlichen Hochladen des Beitrags zu Tag 3, war der Stand, zumindest auf den Inseln, eigentlich schon wieder hinfällig. Die Inseln, allen voran Wangerooge und Norderney, birden dermaßen schnell und hauen sich die neuen Arten regelrecht um die Ohren, dass man schon fast nicht mehr mitkommt. Dann hieß es: eben kurz schlafen und heute Morgen ging die Jagd auch schon weiter. Wie war das noch? Kommen lassen! Sie sind gekommen, gleich heute Morgen und übers Meer: Eistaucher, Dunkler Sturmtaucher, Schwalbenmöwe! Mega!!! Der frische Nordwestwind hatte nun zum Glück lange genug durchgehalten, so dass es auch diese Arten, die sich jetzt eigentlich im Ostatlantik aufhalten oder dort durchziehen, in die Deutsche Bucht verdriftet hat. Bei West-/Nordweststürmen verschlägt es diese Arten immer mal wieder an die Wattenmeerküste. Bemerkenswert ist der Dunkle Sturmtaucher, ein Brutvogel auf der Südhalbkugel, vor allem auf Neuseeland, in Westaustralien und im südlichsten Südamerika, der aus dem Südpazifik über den Äquator in den Nordatlantik fliegt, um dort zu überwintern. Und bei entsprechender Windrichtung tritt er auch recht regelmäßig an der Nordseeküste als Durchzügler auf. Großartig, dass es pünktlich zum Aviathlon mit ihm und den anderen Hochseearten auf vielen Inseln geklappt hat.

Die Artenliste ruckelt sich zurecht. Einige, zunächst neue Arten konnten leider doch nicht gewertet werden, da es sich um Fehlbestimmungen handelte. Auch das kommt vor. Aber es geht weiter vorwärts. Am Ende heißt es heute: 203 Arten auf der Gesamtartenliste 2021. Drei Arten mehr als zur gleichen Zeit im letzten Jahr. Heute neu dazu, neben den drei Hochseearten: Berghänfling, Dorngrasmücke, Uferschwalbe, Schwarzspecht.

Den kleinen Berghänfling haben sich heute Langeoog, Greetsiel und Unterelbe auf die Liste geholt. Jetzt erst, muss man fast sagen. Sind Berghänflinge doch typische und durchaus häufige Herbst- und Wintergäste im Wattenmeer, die in oftmals großen Trupps mit ihren charakteristischen „Tweiht“- Rufen in den Salzwiesen umherstreifen.  Aber der Zuzug dieser quirligen Finkenart ins Wattenmeer hat offenbar gerade erst begonnen, so dass wir hoffen, dass auch die anderen Regionen und Inseln den Berghänfling auf ihre Listen bringen werden.

Am Festland hat heute Greetsiel ordentlich zugelegt und auch die 100 geknackt. Für die vorderen Plätze reicht es jedoch nicht ganz. An der Spitze mit großem Abstand zum aktuell Zweitplatzierten Unterelbe liegt weiterhin die Region Fedderwardersiel, die sowohl die nördliche Wesermarsch, als auch Mellum umfasst. Beeindruckende 140 Arten stehen hier auf der Liste. Damit haben sie ihren Endstand vom letzten Jahr jetzt schon um vier Arten eingestellt. Auch die anderen Regionen am Festland arbeiten sich stetig weiter voran. Wangerland auf Platz 3, dahinter schon Wilhelmshaven. Wer hätte das gedacht! Die Inseln liefern sich auch an Tag 4 ein echtes Birding-Battle. Lagen Wangerooge und Norderney gestern noch gleich auch, haben sie heute ihre Listen um 6 bzw. 8 Arten erweitert. Norderney kann sich heute durchsetzen und belegt vorerst Platz 1. Alle anderen Inseln verbessern sich ebenfalls. Ganz stark heute vor allem Langeoog und Baltrum, die beide die 100 überspringen. Was ist das spannend mit euch da draußen!

Und der Rosenstar war übrigens doch kein neuer Star des Aviathlon. Den gab’s auch schon letztes Jahr und 2013. Ist also fast schon ein alter Aviathlon-Hase, der Hübsche.

Heute war Halbzeit, 4 Tage Aviathlon 2021 liegen mehr als erfolgreich hinter uns. Aber es ist noch nichts entscheiden. Auf geht’s am morgigen Tag 5! Viel Spaß und Erfolg euch allen weiterhin.

Artenliste Tag 4, 12.10.2021: /sites/default/files/tag4_12102021.pdf

 

 

Tag 3 – Montag, 11.10.2021

197 - das ist die Zahl des Tages! So viele Arten befinden sich schon auf der Aviathlon-Artenliste 2021. 12 neue Arten haben es an Tag 3 auf die Liste geschafft. Das war erst die dritte Etappe und die 200 klopft schon an! Puh, wo soll das denn noch hinführen? In wirklich allen Regionen ging es heute mächtig voran. Ein um die andere Art fliegt quasi auf die jeweilige Regionenliste. Ganz ganz groß,  was ihr dort in euren Gebieten leistet und abliefert!

Bei dieser Masse an Beobachtungen und den vielen neuen Arten bleibt zunächst noch ein kleiner Wermuttropfen. Einzelne Beobachtungen befinden sich derzeit in der Überprüfung durch die Experten bzw. Regionalkoordinatoren von Ornitho, so dass sich die Artenzahl für heute noch leicht ändern könnte. Ganz oben beim Aviathlon steht natürlich der Spaß an der Vogelbeobachtung im Wattenmeer. Aber es soll auch alles ornithologisch-fachlich korrekt und vor allem fair für alle ablaufen. Das ist unser Anspruch.

Jetzt aber wieder zu den wirklich wichtigen Dingen: Im Gegensatz zu den letzten Tagen macht heute der Wind, und zwar aus Nordwest, den entscheidenden Unterschied. Blieb es bei den Sing- und Greifvögeln eher mau, nur Tannen- und Sumpfmeise kamen neu dazu, ging auf See weiter die Post ab. Kommt der Wind aus Nordwest, ‚drückt‘ es die über der Nordsee ziehenden Seevögel in die deutsche Bucht und damit auch an unsere Wattenmeerküste. Das konnten die Inseln sehr gut für sich nutzen. Die Entscheidung zum Seawatching zahlte sich aus, so dass alle Inseln ihre Seevogelabteilung in der Liste gut auffüllen konnten. Ohrentaucher, Eissturmvogel, Skua und Dreizehenmöwe wehten sogar als neue Arten auf die Gesamtartenliste.

Wangerooge und Norderney lieferten sich auch an Tag 3 des Aviathlon erneut ein hartes Rennen, das für heute im Gleichstand von jeweils sage und schreibe 129 Arten endet. Toll ist, dass die anderen Inseln aufholen. Vor allem Baltrum, Langeoog und Spiekeroog kämpften sich in Richtung 100er Marke vor. Kommt, kommt, kommt, morgen wird die 100 gerissen! Ihr wollt doch wohl nicht Wangerooge und Norderney allein die Bühne überlassen? Am Festland legt Fedderwardersiel den Turbo ein und zieht mit jetzt sagenhaften 135 Arten an allen vorbei und setzt sich an die Spitze. Unterelbe folgt mit 122 Arten, dahinter das Wangerland mit 114 Arten. Ist das schon die Vorentscheidung? Nein, noch nicht, denn 4 weitere Festlandsregionen folgen mit jeweils über 100 Arten. Hier ist noch lange nichts ausgemacht.

Und wenn man der Windvorhersage Glauben schenken darf, dann bleibt euch der Wind aus Nordwest noch ein paar Tage erhalten. Dann könnte noch einiges gehen in Sachen Hochseevögel, auch an der Festlandsküste… Aber immer mit der Ruhe. Ganz nach dem Motto: „Kommen lassen!“. Und zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort sein. Aber das seid ihr ja.

Es ist und bleibt ein spannendes Rennen. Für morgen weiterhin frohes „Schaffen“! :-)

Ein Nachtrag noch zu gestern: Der Buschrohrsänger war übrigens eine ganz neue Art für die Aviathlon-Gesamtartenliste insgesamt ‚seit ever‘ sozusagen. Diese Art wurde zuvor noch nie im Rahmen des Aviathlon beobachtet. Das gilt im Übrigen auch für den Rosenstar vom Samstag auf Wangerooge. Und auch die gestrige Beobachtung der Nachtigall auf Wangerooge ist bemerkenswert. Denn eigentlich sind die Nachtigallen längst abgezogen. Die meisten Nachtigallen verlassen bereits im August die Brutgebiete, wobei sich der Zug bis in den September hineinziehen kann. Aber der 10. Oktober ist schon verdammt spät für diese Art.

Artenliste Tag 3, 11.10.2021: /sites/default/files/tag3_11102021_0.pdf

 

Tag 2 – Sonntag, 10.10.2021

Über das Wetter konnte sich heute wahrlich niemand beschweren. Ruhiges Herbstwetter, ein strahlend blauer Himmel bei fast sommerlichen Temperaturen luden zu ausgedehnten Herbstspaziergängen und Sonntagsausflügen ein. Perfektes Wetter zum Vögel beobachten. Wie das Wetter, zeigte sich auch der Vogelzug heute von seiner ruhigen Seite. Das war zumindest entlang der Festlandsküste deutlich zu bemerken. Vor allem vom Jadebusen und aus dem Rheiderland wurde, im Vergleich zu den letzten Tagen, nur schwacher Singvogelzug vermeldet. Andere Küstenabschnitte berichteten dagegen z.B. von auffallend vielen Erlenzeisigen und verstärkt ziehenden Fichtenkreuzschnäbeln. Und auch auf See scheint nach wie vor einiges los. Vor Norderney wurde morgendlicher starker Sterntaucherzug beobachtet. So divers und räumlich verschieden kann Vogelzug sein.

Ihr Aviathleten lasst euch natürlich von nichts abschrecken und sammelt fleißig weiter für eure Listen und natürlich für die Gesamtartenliste. Nachdem die 100er Marke gleich am ersten Tag geknackt wurde, ging die Sause heute ungebremst weiter. Die Gesamtliste wächst heute auf beachtliche 185 Arten an! 17 neue Arten sind dazugekommen. Zum Vergleich: im letzten Jahr schloss das erste Aviathlon-Wochenende mit 170 Arten, bei recht ähnlichen Witterungsverhältnissen.

Der Knaller des Tages war in jedem Fall der Buschrohrsänger in Bremerhaven! Die nächsten Brutvorkommen dieses kleinen unscheinbaren Vogels liegen im südlichen Finnland sowie im nördlichen Baltikum. Zum Überwintern fliegt er eigentlich nach Indien. Bremerhaven liegt jetzt nicht unbedingt auf dem direkten Weg nach dort, aber wir freuen uns natürlich für den Beobachter und für den Aviathlon, dass diese im Wattenmeer seltene Vogelart die Artenliste bereichert. Doch auch die anderen neuen Arten können sich wirklich sehen lassen: u.a. Singschwan an der Wurster Küste, Kurzschnabelgans im Emsland, Waldschnepfe in Greetsiel, Flussregenpfifer auf Norderney, Samtente auf Spiekeroog, Rothalstaucher auf Wangerooge, Zwergschnepfe im Wangerland, Waldbaumläufer im Cuxland. Zeigt es doch, wie viele Beobachter:innen in allen Wattenmeerregionen auf den Inseln und am Festland intensiv unterwegs sind und tolle neue Arten herausarbeiten.

Im Wettstreit der Regionen geht es am Festland ordentlich zur Sache. Gleich 5 Regionen, allen voran mit satten 116 Arten Newcomer Unterelbe, kämpfen um die vorderen Plätze. Dahinter gleichauf mit 106 Arten Dangast und Fedderwardersiel, dicht gefolgt von Wangerland mit 102 und Wilhelmshaven mit 100 Arten. Und auch das Emsland, das Cuxland und die Wurster Küste sind nicht mehr weit entfernt von der 100. Das könnte eng werden. Auf den Inseln dagegen liefern sich Wangerooge und Norderney auch an Tag 2 ein Kopf-an-Kopf-Rennen, das Wangerooge mit 2 Arten Vorsprung zumindest heute für sich entscheiden kann. Aber wo sind die anderen Inseln? Lauft ihr euch noch warm? Aviathlon heißt Langstrecke. Es ist noch lange nichts entschieden.

Wir sind wieder einmal schwer beeindruckt, mit wie viel Schwung, Motivation, Spaß und intensivstem Birdwatching ihr diesen Wettstreit begonnen habt und sich in der kommenden Woche noch voranbringt. Wir sind gespannt, wie es zum Wochenstart morgen weitergeht.

Artenliste Tag2, 10.10.2021: /sites/default/files/tag2_10102021.pdf

 

 

Tag 1 - Samstag, 09.10.2021

Liebe Aviathleten, Vogelbeobachter, Freunde und Gäste im niedersächsischen Wattenmeer – es ist wieder soweit!!!

Mit den 13. Zugvogeltagen hat die fünfte Jahreszeit im UNESCO Weltnaturerbe und Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer begonnen und damit ist heute Morgen auch der Startschuss zum diesjährigen Aviathlon gefallen. DER Wettstreit zwischen den Inseln und Regionen um die meisten beobachteten Vogelarten. Ganz nach dem Motto „Same procedure as every year“ heißt es in den nächsten 8 Tagen wieder: Ran an die Ferngläser, raus in den Nationalpark und seine angrenzenden Küstenregionen und Vögel beobachten was das Zeug hält.

In diesem Jahr begrüßen wir natürlich auch ganz herzlich die beiden „Neuen“ - Unterelbe und Bremerhaven - im Starterfeld der Aviathlon-Regionen. Das Festland bekommt damit zwei starke Konkurrenten, die sicher auch gerne ein Wörtchen in der Wertung mitreden wollen.

„Well, let’s do our very best“ - mit dem heutigen ersten Tag habt ihr das gleich beherzigt und seid hochmotiviert gestartet. Gut, am ersten Tag geht es ja auch erst mal leicht von der Hand, alle Artenlisten fangen schließlich bei null an. Aber dennoch gab es heute schon den ersten Rekord: über 160 Arten an Tag 1 des Aviathlon! Darunter Stern- und Prachttaucher, Steppenweihe, Kranich, Zwergstrandläufer, Tordalk, Trottellumme, Zwergmöwe, Gelbbrauen-Laubsänger, Rosenstar, Zwergschnäpper, Bergpieper, Spornammer und und und… Auf den Inseln ziehen verstärkt Bergfinken, auf dem Meer vor den Inseln halten sich reichlich Hochseevögel auf, was sich erfreulicherweise in der Artenliste wiederspiegelt. Am Festland wurde starker Zug von Wiesenpiepern und Drosseln gemeldet. Der Vogelzug ist in vollem Gange! Das Wetter zum Draußen sein und Vogelzug im und am Wattenmeer live zu erleben- ein Traum!

Die Titelvogelart der diesjährigen Zugvogeltage, die Brandseeschwalbe wurde in 8 Regionen gleich heute schon auf die Listen geholt. Die Weltenbummlerin, von der wir durch Ringfunde wissen, dass zumindest einige unserer Wattenmeervögel bis ins südlichste Südafrika zum Überwintern fliegen!

Die Brandseeschwalben haben sich auf den Weg gemacht, so wie auch alle 22 Aviathlon-Regionen in Richtung Siegertreppchen. Auf den Inseln kämpfen Norderney und Wangerooge mit harten Bandagen und knapp über 100 Arten um den heutigen Etappensieg. Hat Wangerooge den Hattrick im Auge? Bereits 2019 und 2020 konnte die Insel die Wertung klar für sich entscheiden. Ob sich die anderen Inseln das erneut bieten lassen?

Am Festland legen Fedderwardersiel und Wilhelmshaven gehörig vor. Fedderwardersiel sogar mit dem Sprung über die 100er Marke. Und dann macht da auch gleich die Unterelbe als neuer Mitspieler auf sich aufmerksam, hat sich aus dem Stand auf die vorderen Ränge gearbeitet und steht mit 88 Arten auf Platz 3 am Festland.

Ein überaus erfolgreicher Start in den Aviathlon 2021! Wir sind gespannt, wie es in den nächsten Tagen weitergeht.

Artenliste 09.10.2021:/sites/default/files/tag1_09102021.pdf