Zugvögel haben viele neue Freunde gewonnen

14. Oktober 2012
Zugvogel-Infos, Kulturprogramm und angeregte Gespräche auf dem Zugvogelfest
183 Vogelarten, fast 10.000 Teilnehmer aus nah und fern – sogar aus der Schweiz - und viele neue Kooperationspartner: Beim Zugvogelfest in Horumersiel zogen die Veranstalter der 4. Zugvogeltage eine positive Bilanz.

(Wilhelmshaven / Horumersiel, 14. Oktober 2012) Am heutigen Sonntag verwandelte sich das „Haus des Gastes“ in Horumersiel in einen bunten Marktplatz für Wissenswertes, Fachliches, Praktisches, Kunstvolles und Unterhaltsames rund um das Thema Vogelzug.Viele Hundert Besucher nutzten die Gelegenheit, beim bunten Zugvogelfest zum Abschluss der „4. Zugvogeltage im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer“ mit vielen Zugvogelfreunden zusammenzutreffen, auf Erlebnisse und Ergebnisse der letzten neun Tage zurückzublicken oder sich für ihre neue Passion „Vogelbeobachtung“ mit Informationen und Zubehör auszurüsten. Musik, Tanz, Kunst und Kunsthandwerk, Kinderprogramme, Kulinarisches und die Verlosung attraktiver Preise rundeten das Programm ab.

Das Fest wurde von der Nationalparkverwaltung gemeinsam mit dem Nationalpark-Haus Wangerland, der Wangerland-Touristik und der WAU (Wissenschaftliche Arbeitsgemeinschaft für Natur- und Umweltschutz, Jever) veranstaltet. Dr. Kai Pagenkopf und Katharina Guleikoff moderierten das vielseitige Programm.

Das Begleitprogramm war in diesem Jahr nordisch ausgerichtet: Die Gruppen "Tüdelüüten" und „DreyBartLang“ spielten Folkmusik, Familie Eden vom Hotel „Frieslandstern“ servierte ein Buffet mit Spezialitäten aus den nördlichen Ländern der Vogelzugroute. Die Tänzerinnen des Friesischen Tanztheaterprojektes der VHS Friesland-Wittmund zeigten Szenen aus ihrem Stück „Vogelflug ins Ungewisse“.

Über 100 Kinder waren dem Aufruf gefolgt, eine selbst gestaltete Zugvogel-Collage einzureichen. Alle Kunstwerke wurden beim Zugvogelfest präsentiert und bei einer Führung durch die Wangerländer Künstlerin Elke Debbag fachlich gewürdigt. „Mit der jährlichen Kinderaktion wollen wir den Nachwuchs zur Auseinandersetzung mit dem Thema Vogelzug motivieren“, erläutert Petra Potel (Nationalparkverwaltung) als Koordinatorin der Zugvogeltage, „wir küren keinen ‚Sieger’ mit dem ‚besten’ Bild.“ Unter allen „Klebekünstlern“ wurden aber beim Fest zehn hochwertige von MINOX gespendete Ferngläser verlost.

Darüber hinaus nehmen beim Zugvogelfest alle Besucher des Festes an einer großen Verlosung teil. Jeder erhält am Eingang kostenlos einen Teilnahmecoupon. „So wissen wir genau, wie viele Besucher gekommen sind“, verrät Petra Potel. Aus dem „Zähltrick“ entwickelte sich ein Höhepunkt des Zugvogelfestes, „vor allem Dank der Aussteller, die in diesem Jahr sensationell attraktive Gewinne beigesteuert haben“, zeigt sich Potel erfreut.

Ein inhaltlicher Höhepunkt des Abschlussfestes ist stets der Bericht zu den Arten, die im Rahmen der Zugvogeltage draußen beobachtet wurden. In diesem Jahr wurden 183 Zugvogelarten gezählt (2011: 161), darunter auch Besonderheiten wie Kappenammer und Spornpieper, die auf ihrem Weg nach Indien eher Irrgäste sind. Kräftige Nordwestwinde pusteten den Beobachtern auch viele Hochseevögel wie Basstölpel oder Sturmtaucher vor die Linsen.

In der Gesamtschau der diesjährigen Zugvogeltage zeigten sich die Besucherinnen und Besucher wie auch die Nationalparkverwaltung als Organisator der Zugvogeltage und die vielen Veranstalter und Kooperationspartner höchst zufrieden. „Seit dem Auftakt 2009 haben sich die Zugvogeltage – jeweils neun aufeinanderfolgende Tage im Oktober – zu einer festen Größe in der Region entwickelt“, fasst Arndt Meyer-Vosgerau, stellvertretender Leiter der Nationalparkverwaltung, zusammen. „Stetig sind neue Veranstalter und Veranstaltungsformen und –orte hinzugekommen. Kulturelle und touristische Organisationen als Kooperationspartner und auch die Medien haben die Zugvogeltage bereits fest im Blick. Und wir erfahren auch, dass Urlauber aus ganz Deutschland und darüber hinaus, von der naturbegeisterten Familie bis zu versierten Ornithologen, die neun Tage langfristig im Kalender blocken.“ In diesem Jahr sind sogar Leute aus der Schweiz extra zu den Zugvogeltagen gekommen.

Für die Teilnehmer der outdoor-Angebote war es ein zusätzlicher Anreiz, z. B. am Beobachtungsturm am Vareler Hafen hochwertige Optik wie Ferngläser und Spektive in einer realistischen Beobachtungssituation ausprobieren und vergleichen zu können.

Um alte und neue Freunde der Zugvogeltage zu begeistern, wird das Programm von Jahr zu Jahr mit einer Mischung aus bewährten und neuen Veranstaltungsformaten aktualisiert. Neu – und sehr gut angenommen - waren in diesem Jahr z. B. das Angebot von MOBILUM (mobile Umweltbildung, Friesland), mit dem Thema Zugvögel in die Grundschulen zu kommen, oder die Foto-Klang-Collage „Nordischer Zugfolk“ von und mit der Band DreyBartLang und dem Fotografen Michael Schildmann.

Nach den bis Sonntag eingegangenen Rückmeldungen der Veranstalter waren in diesem Jahr fast 10.000 Teilnehmer am vielseitigen Programm der Zugvogeltage an der Küste zwischen Emden und Cuxhaven (bis hin nach Oldenburg) und auf den Inseln zu verzeichnen. Viele haben dabei mehrere der über 200 Einzelangebote genutzt, umgekehrt lassen sich nicht alle Teilnehmer registrieren, z. B. an den stationären Beobachtungsstationen, die jeder zeitlich individuell besuchen kann. 2011 wurden etwa 8000 Teilnehmer gezählt. Die bloßen Zahlen bzw. eine fortlaufende Steigerung der Besucher stehen aber ohnehin nicht im Fokus der Veranstalter. „Es geht uns nicht darum, Gäste und auch Einheimische in möglichst großer Zahl anzulocken und zu unterhalten, sondern die, die kommen, intensiv und individuell mit dem Thema Vogelzug in Berührung zu bringen“, erklärt Meyer-Vosgerau. Eine Kernbotschaft sollte jede/r mitnehmen: Ohne das Wattenmeer wäre der Vogelzug – auf unserer Seite des Globus – undenkbar. Es gibt zwischen Arktis und Afrika keinen zweiten Rastplatz, der auf einer begrenzten, aber dafür sehr nahrungsreichen Fläche mehr als 10 Millionen Vögel satt macht. Das Wattenmeer bildet den „Flaschenhals“ im riesigen Einzugsgebiet des ostatlantischen Vogelzugs. Deshalb ist es als Nationalpark geschützt, und auf Grundlage dieses Schutzes wurde es als Naturerbe der Menschheit geadelt.

„Unsere Kernaufgabe ist und bleibt der Schutz des Lebensraumes Wattenmeer mit seiner Tier- und Pflanzenwelt“, hält Meyer-Vosgerau fest. „Doch neben dem klassischen Naturschutz-Management müssen wir immer neue Wege finden, um den tieferen Sinn der Schutzmaßnahmen zu vermitteln und, auf breiter Basis und über die reine Akzeptanz hinaus, Unterstützer zu gewinnen, damit das Konzept Nationalpark auch in zukünftigen Generationen trägt.“ Über vier Jahre haben sich die Zugvogeltage sich in diesem Sinne bewährt und werden auch im kommenden Jahr – vom 5. bis zum 13. Oktober – neue Freunde gewinnen.

Fotos und Erlebnisberichte von den 4. Zugvogeltagen unter www.zugvogeltage.de/blog und auf der Facebookseite „Zugvogeltage im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer“.