Menschen, die von Schwärmen schwärmen

22. Oktober 2017
Siegerehrung für den Aviathlon 2017. Foto: NLPV

Siegerehrung für den Aviathlon (vlnr.): Kai Pagenkopf (Koordination Aviathlon), Peter Südbeck (Leiter Nationalpark), Bernhard Rauhut (Leiter Besucherzentrum Cuxhaven), Stephan Sprinz und Joshua Schwingel (Vogel-Bufdies Spiekeroog). Foto: NLPV

Die 9. Zugvogeltage im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer endeten heute mit dem Großen Zugvogelfest in Horumersiel. Mehr als 11.000 Teilnehmer wurden bei den über 250 Veranstaltungen des neuntägigen Programms gezählt. Sieger des Zugvogeltage-Aviathlons 2017 sind Cuxhaven und Spiekeroog.

Als Publikumsmagnet erwiesen sich erneut die festen Beobachtungsstationen. Am Pilsumer Leuchtturm fanden sich fast 3000 Vogelinteressierte ein, der Vogelturm am Vareler Hafen zählte 1300 Besucher. Nicht nur regional, auch bundesweit sind die Zugvogeltage in der Vogelgucker-Szene schon lange angekommen. Begeisterte Gäste berichteten, dass sie ihren Herbsturlaub im niedersächsischen Wattenmeer während der Zugvogeltage 2018 jetzt schon eingeplant haben. Doch auch Kurzentschlossene kommen auf ihre Kosten. So wie der ältere Herr aus Frankfurt, der sich angesichts des guten Wetters am ersten Wochenende in den Zug nach Varel setzte, dort ein Fahrrad auslieh und zweieinhalb Tage am Vareler Vogelturm verbrachte.

Im Sinne der Planungssicherheit für alle Beteiligten finden die Zugvogeltage jährlich im festen Zeitraum vom 2. Samstag bis zum 3. Sonntag im Oktober statt. Erstmals lagen diesmal die Ferien in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen, den Haupt-Herkunftsländern der Wattenmeer-Touristen, außerhalb dieses Zeitraums. Deshalb konnten die Rekordteilnehmerzahlen des Vorjahres natürlich nicht erreicht werden, aber viele Veranstaltungen sind in kleineren Gruppen viel effizienter und wirkungsvoller, wenn man die fachlichen Ziele der Zugvogeltage erreichen möchte. „Unseren Erfolg messen wir nicht an einer stetig wachsenden Teilnehmerzahl, sondern daran, ob wir Menschen nachhaltig für Zugvögel und ihren Schutz begeistern können“, erklärt Nationalpark-Leiter Peter Südbeck. „An vielen einzelnen Reaktionen zufriedener Besucher gemessen sind wir auch in diesem Jahr sehr zufrieden.“

Aviathlon: Cuxhaven und Spiekeroog hatten am Ende den Schnabel vorn

Jedes Jahr treten die niedersächsischen Inseln und Küstenregionen zum Wettstreit um die meisten während der Zugvogeltage gezählten Vogelarten an. Aufgrund der unterschiedlichen Rahmenbedingungen werden jeweils ein Insel- und ein Festlandssieger ermittelt. „Bis zum Schluss war es ein Kopf-an-Kopf-Rennen und blieb es spannend wie nie zuvor“, berichtete Kai Pagenkopf, der den Wettbewerb für den Nationalpark koordiniert. Lange war Fedderwardersiel auf dem Spitzenplatz, aber am Ende wurde Cuxhaven mit 150 Arten Festlandssieger – bereits zum 4. Mal. Bedingt durch die Vielfalt der Landschaftsräume an der Elbmündung mit Watt, Salzwiesen und Meeresgebieten und auf der Binnenseite der Küstendünenheide hat diese Region gute Chancen, aber auch sehr viele fachkundige Ornithologen, die wirklich jede Vogelart entdecken und bestimmen können. Bei den Inseln konnte sich zum ersten Mal Spiekeroog mit 141 Arten an die Spitze setzen, mit Seltenheiten wie dem Krabbentaucher auf der Liste. Insgesamt wurden 204 verschiedene Arten gezählt (2016: 202), darunter erstmals in der Geschichte des Aviathlons der Wellenläufer, der Sepia-Sturmtaucher, Wespenbussard, Wasseramsel, Seidenschwanz und Kiefernkreuzschnabel.

Mehr als 180 Kinder hatten Bilder zum Thema der diesjährigen Malaktion „Zugvögel in ihren nordischen Brutgebieten“ eingereicht, die alle beim Zugvogelfest ausgestellt wurden. Zehn von ihnen können sich über je ein Fernglas freuen, gespendet von der Firma Firma Minox für die Verlosung unter allen der jungen Künstler*innen.

Im kommenden Jahr feiern die Zugvogeltage im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer schon ihr zehnjähriges Bestehen. Die Vorbereitungen dafür sind bereits jetzt in vollem Gange.

„Die Erfahrungen aus diesem Jahr haben uns gezeigt, dass wir immer mehr Interessierte und Besucher aus ganz Deutschland erreichen. Vogelbeobachtung ist für den Nationalpark Wattenmeer bedeutend und auch für einen an den Erfordernissen der Nachhaltigkeit orientierten Tourismus in der Region zunehmend wichtig. Ich bin froh, dass unsere Zugvogeltage hier als gutes Qualitätsangebot wahrgenommen werden und viele unserer Gäste für die Zugvögel und ihren Schutz eingenommen sind“ resümiert Peter Südbeck zum Abschluß des Zugvogelfestes mit einem großen Dankeschön an alle, die den Erfolg der Zugvogeltage im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer möglich gemacht haben.